Samui? Samui! Notizen über mein Leben als
Auswanderer auf Koh Samui, Thailand

Nice beard! How long? One year?

Eben bei Tesko: Ich steh vor einem Regal mit netten T-Shirt-Hawaii-Hemden (ich will mir eine Sammlung unsinniger Hawaii Hemden zulegen), da tönt es neben mir auf Brusthöhe “Oh, how nice, what a nice beard!” Ich kuck rüber, steht ein kleiner Thai neben mir, sieht sich meinen Bart an und bewundert ihn “How long?” ich zieh ihn straff, er “One year?” Sag ich “nono, i cut him every half year”. Er nickt bewundernd, sagt “nice” und entschwindet. Ich hab mir gleich noch ein zweites Hawaiihemd geholt.

PS: Die Überlegung mit der Entfernung meiner Gesichtsbehaarung hat sich damit erledigt :)

Von einem, der auszog das Fliegen zu erlernen.

Angekommen. Heiß ist es. Nein. Nicht wirklich heiß. So um die 30 Grad sind es wohl, aber die Sonne und die außerordentlich schwere Luft macht einem Nordländer wie mir schon zu schaffen. Meine Schleimhäute fühlen sich doppelt so dick an wie sonst. Was solls. Es gibt viel zu berichten. Fangen wir an. Mit dem Fliegen.

Das mit dem Fliegen ist so eine Sache. Ich habe es geschafft, die letzten 29,5 Jahre einen Flug zu verhindern. In Planung war, dass ich, wenn wir nach Island wandern, zumindest eine Strecke per Flugzeug zurücklegen werde. Dass es nun doch anders kam ist eine bekannte Geschichte. Dass es gleich drei Flüge werden mussten, liegt an der nicht ungeringen Entfernung meiner kleinen Tropeninsel zu Lübeck.

Ich machte mich also nach einer eher undurchschlafenen Nacht (Schnute konnte schlafen bis in die Puppen, fragt mich nicht, wie sie sowas macht), gefahren von Schnute auf ins Hamburger Unwetter, um mich das erste Mal in ein zuweilen fliegendes Flugzeug zu setzen. Bis zum Betreten des Flugzeuges war alles nicht ganz so aufregend wie ich es erwartet habe (wenn man davon absieht, dass wir beide auf die Frage am Checkin-Schalter, ob nur einer von uns beiden fliegen würde mit “Ja, ich” beantworteten). Man ist halt mit längeren Trennungszeiten mehr beschäftigt als mit so trivialen Erstflugängsten. Ich checkte jedenfalls ein, brachte einen tränenlosen Abschied zustande und saß irgendwo zwischen seltsamen Leuten und wartete auf mein kleines Flugzeug. Es war klein. Von außen als auch von innen. Am Fenster eingeklemmt neben Menschen überlegte ich mir, ob es nicht ganz nett wäre, ein bisschen weniger Umfang an den Tag zu legen. Nette Ansagen wurden durchgegeben. Die Flugbegleiterinnen führten ihr Schauspiel mit den Kotztüten vor. Das Flugzeug rollte in der Gegend rum und dann – Abschuss. Kurzes Kneifen in die Hand – kein Traum. Ich fliege. Hmmm. Nett. Rumpelt ein bisschen.

Laut war es. Davor hat mich keiner gewarnt. Ich habe noch zwei Tage lang die Flugzeugturbinen gehört. Der Flug selber dauerte nur 1 Stunde, weshalb ich mich größtenteils mit Trivial-Gedanken a la “Stimmt. Die Erde ist rund!”, “Interessant. Sieht komisch aus alles so klein” und “Shit. Jetzt nur nicht philosophisch werden!” beschäftigte.

Jedenfalls hab ich es überlebt. Landen. Aussteigen. Zittern. Dann stand ich in München erstmal eine halbe Stunde zwischen den Terminals und habe versucht, mich zu beruhigen. Nach einem abschließenden Besuch bei Burger King ;) gings zum nächsten Terminal. Das mit dem Fliegen hatte ich schon, jetzt muss nur noch ein Langstreckenflug dazu kommen. Kam er auch. 17:55 gings los. Touristenbomber. Wasser aus Plastikbechern. Essen aus Alufolien. Dämliche Bayern hinter und neben uns (quatschten stundenlang in einem Dialekt, den nur noch ein paar Bergvölker sprechen und beschweren sich dann bei einem Opa hinter ihnen, dass er redet). Jedenfalls hab ich auch das erledigt.

Wir sind also in Bangkok. Hitzeschock. Nette Frau am Immigrationterminal, die mir gleich einen netten Zettel in den Pass heftet. Mein Gepäck kommt als letztes das Laufband herunter. Ich hatte bereits einige Varianten meines Lebens ohne Computerkabel, T-Shirts, Handtücher (nein, ich hatte kein Handtuch im Reisegepäck, dafür hatte ich in beiden Reisetaschen jeweils eines ;) und derartiges Zeug. Jedenfalls kam mein Gepäck dann, wir kauften Tickets für den Flug von Bangkok nach Ko Samui, checkten unser Gepäck ein und flogen (wiedereinmal. ich weiß, es wird langweilig). Ich habe dann den Großteil des Fluges geschlafen (unterwegs war ich schon knapp 20 Stunden (???).

Auf dem Flughafen von Koh Samui (einer der schönsten der Welt mit offenen Hütten als Terminal und Sammelpunkte) angekommen fing es sofort an zu regnen. Nicht ein bisschen, sondern ein bisschen sehr (ein Großteil meiner Sachen ist heute noch ein wenig muffig-nass). Wir fuhren also zum Haus meines Chefs (er hat als einziger von uns bereits ein Haus (keine Hütte) gemietet, weil er vorher schon hier war), spannten aus und ein und ergründeten den Jetlag. Abends ein bisschen Essen. Chang-Beer trinken. Schlafen gehen.

Grillenzirpen und Vogelgezwitscher.

Im Großen und Ganzen bin ich angekommen, aber noch tief beeindruckt von den vielen Dingen, Menschen, Straßen (muahahaha) und Ereignissen. Ich könnte jetzt stundenlang schreiben über Mopedfahren, Linksverkehr, Essen, Gilbert und und und. Aber das muss ich selber erstmal verarbeiten. Also von mir aus hier nur der kurze Gruß ins angenehm kühle Deutschland. Ich lebe. Mehr gibts später.

PS: Es ist jetzt 14:20Uhr und wir suchen uns eine Bude. Dann geht es zu Tesco (YEAH, Zivilisation ;) und Handykarten kaufen. Dann Infrastruktur ergründen. Es gibt viel zu tun.

PPS: Ich habe mich bereits dabei erwischt, über “die Touristen” zu lamentieren. Aber mal ehrlich. Das Mitglied welcher Nation kann schon in der Lage sein, sich auf die Stufen einer Buddhastatue zu setzen und das Hemd auszuziehen.

PPPS: Das mit dem “Danke” ist auch so eine Sache. Aber ich hör jetzt wirklich erstmal auf zu schreiben. Mehr morgen. Wenn ihr aufwacht, steht es hier.

Gehen Sie über Los, ziehen Sie nicht 4000 Euro ein …

So. Morgen ist es also soweit. Das Notebook ist eingepackt, die Geräte auseinandergestöpselt, der Seesack gepackt. Nach Wochen der Planung und des Hin und Her beginnt morgen Mittag mein eigenes kleines Abenteuer.

Aber beginnen wir am Anfang™! Im Sommer war ich (wie so häufig in den letzten Jahren) arbeitslos und Sozialhilfeempfänger. Wenn man selbständig war hat man wenig Chancen auf Arbeitslosengeld oder -hilfe, wenn man sich nicht selbst versichert und das war ich nicht ;) Jedenfalls musste ich um mein “Anrecht” auf Sozialhilfe zu behalten im Monat mindestens 15 Bewerbungen abschicken. Das klingt etwas salopp, ist es aber auch, denn ich habe nie gemerkt, dass die Leute interessiert hätte, wo und als was ich mich bewerben würde. Im August jedenfalls hatte ich nach zwei Ingeneurmonaten (hat doch was Gutes, wenn man sich breit gefächert bewerben kann) mal wieder einen ITler-Monat. Neben einigen Bewerbungen als Projektmanager, ein paar als Webdesigner und eine auf diese interessante Stellenbeschreibung hin.

Anschließend fuhr ich ein paar Tage nach Zwickau, Familie und Freunde besuchen, da die Antworten erfahrungsgemäß einige Tage auf sich warten ließen und sowieso immer negativ waren.

Das war an einem Mittwoch. Als ich am Sonntag wieder zu Hause war, blinkte der Anrufbeantworter hektisch, die Mailbox war mit Rückmeldungen voll. Berlin also. Nach ein paar Telefonaten, in denen ich erst einmal eruieren musste, wie ernst es “ihnen” mit Thailand als Arbeitsort ist wurde ich zu einem Gespräch eingeladen und sofort eingestellt. (Natürlich hätte man mich am liebsten ersteinmal freischaffend angestellt, aber nach eingehenden Erfahrungen diesbezüglich und in Anbetracht meiner damaligen Lage war ich nicht bereit dazu. Da sie mich unbedingt wollten, wurden wir uns aber einig.

Ich verbrachte also die vier letzten Monate des vergangenen Jahres im Unternehmen in Berlin, lernte die Leute kennen und fing an, den großen Auszug zu planen.

Und morgen ist es dann soweit. Ich werde das erste Mal in meinem Leben ein Flugzeug betreten, das auch fliegen wird (nur am Rande: Aviophobie und Akrophobie), dann gleich einen Langstreckenflug erleben und das erste Mal meine Füsse auf einen außereuropäischen Kontinent respektive in ein außereuropäisches Land setzen.

Das Interessanteste ist, dass ich immer geplant habe, das erste Mal zu fliegen, wenn ich mit Schnute unterwegs nach Island bin.

Jedenfalls wird es viel zu erzählen geben.

Update im Dezember 2006: Inzwischen lebe ich seit 2 Jahren in Thailand, arbeite nicht mehr für oben genannten Arbeitgeber und habe jede Menge zu erzählen gehabt. Im Archiv findet man alle Einträge.

Update im August 2015: 10.5 Jahre. Wollte es nur erwähnen. Die Zeit vergeht recht schnell. Alle Einträge findet man immer noch im Archiv. Auswandern leicht gemacht ;)